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13.04.2010, BNN
Wer viel unterwegs ist, kann viel erzählen
Der Gitarrist Werner Hucks nimmt seine Zuhörer in Weingarten auf eine "Saiten-Reise" mit
Von den Schweizer Alpen bis in die Karibik
Wenn ein Gitarrist bisher durch 20 Länder verschiedenster Art gereist ist, dann hat er was zu erzählen. Und wie es in gehobenen Musikerkreisen so üblich ist, werden die erlebten Eindrücke und Abenteuer in Noten niedergeschrieben. Der Gitarrist und Musikpädagoge Werner Hucks nahm die Zuhörer im "anderen keller" in Weingarten mit ruhigen und zugleich aufregenden Klängen auf seine "Saiten-Reise" mit.
Im Namen seines Programms "Saiten-Reise", stecken zwei Begriffe, die das Leben von Werner Hucks trefflich beschreiben. Da sind zum Einen die Saiten seiner Gitarren, auf denen er seinen Lebensunterhalt verdient. Und da sind zum Anderen die vielfältigen Reisen von Hucks, die sich von den Schweizer Alpen über Israel bis auf eine Segeltour in der Karibik erstrecken und den Inhalt seiner selbstkomponierten Stücke spiegeln. In Kombination ergibt sich aus "Saiten-Reisen" der etwas andere Reisebericht, der ganz ohne Fotos und Videos auskommt und in den Gedanken des Zuhörers stattfindet.
Und so verzückte Werner Hucks schon mit dem ersten Stück auf seiner Römmich-Konzertgitarre, ein Erbstück vom Vater, die Zuhörer und lud ein, die Gedanken schweifen zu lassen und den Alltag zu vergessen. Dennoch sind die selbst komponierten Stücke von Hucks alles andere als lockere Hintergrundberieselung. Die Melodien rasten schon kurz nach ihrem Erklingen im Kopf des Zuhörers ein. Hucks spielt mit Seele und scheint in seinen eigenen Stücken selbst noch mal auf der Reise zu sein. Verzückt summt er bei noch so komplizierten Griffen und Fingersätzen vor sich hin, seine Gesichtszüge sind voller Emotionen.
Dabei stellt der studierte Gitarrist sein meisterliches Können nicht in den Vordergrund. Das braucht er auch nicht, denn die Schnelligkeit, Raffinesse und Kreativität eines guten Gitarristen besitzt er zu Genüge. Bei Hucks steht die Musik im Vordergrund und nicht die technische Demonstration des eigenen Könnens.
Und so wird die Stimmung im "anderen keller" nach den ersten zwei Stücken lebendiger und die Beziehung zwischen Zuschauer und Gitarrist intimer. Hucks erzählt von seinen Reisen und Erlebnissen, lässt die Höhen seiner Nylonsaiten perlen, den Bass grooven und schöpft die Dynamik seines Instruments vortrefflich aus. Zum Abschluss spielt Werner Hucks in drei Zugaben Stücke von Johann Sebastian Bach.
Doch es ist nicht der Altmeister, der den Zuhörern in Erinnerung bleiben wird, sondern Werner Hucks, der Gitarrist, der etwas zu erzählen hat.
Kevin Schrein
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24.11.2008, Siegener Zeitung
Pure Entspannung
Unanstrengende Musik mit Werner Hucks und Martin Reuthner
Da macht man sich als bekennender Liebhaber von Gitarrenmusik zu einem Konzert von Werner Hucks auf und weiß: Damit kann man nichts verkehrt machen, da weiß man, was man hat. Und trotzdem macht sich imVorfeld ein merkwürdiges, unbestimmtes Gefühl breit: Spannung, Erwartung, Neugierde und viele Fragezeichen sind dabei. Denn es ist ein Konzert für Trompete und Gitarre angekündigt. So ein prägnantes, durchsetzungsfähiges, »lautes« Blasinstrument imDuett mit den zarten Klängen einer Konzertgitarre? So unterschiedliche, scheinbar gegensätzliche Klangfarben in trauter Zweisamkeit? Geht das gut? Kann das funktionieren? Schon nach den ersten gemeinsamen Tönen von Werner Hucks (Siegen) und Martin Reuthner (Köln) wird klar: Es kann. Und wie! Alle Zweifel sind ausgeräumt, fortan geht es nur noch darum, zuzuhören und zu genießen.
Am Freitagabend gastierte das Duo Reuthner/Hucks - die beiden lernten sich beim Musical »Elisabeth« in Essen kennen - in der Erlöserkirche in Neunkirchen-Salchendorf. Trotz der ausgesprochen ungünstigen Wetterprognosen folgten doch recht zahlreiche Musikfreunde der Einladung des örtlichen CVJM, der Evangelischen Gemeinschaft und der Ev.-ref. Kirchengemeinde Neunkirchen (Pfarrbezirk Salchendorf).
Entspannung pur hätte das Motto des Abends lauten können: Sanfte, ruhige Klänge herrschten vor, Hucks und Reuthner spielten Musik auf hohem Niveau, völlig unanstrengend, wunderbar zum »Runterkommen« nach einer stressigen Arbeitswoche geeignet. Alles war fein aufeinander abgestimmt - die Lautstärkeverhältnisse bekam das Duo mittels Verstärkertechnik in den Griff, und die Klangcharaktere der Instrumente passten hervorragend zueinander, zumal Reuthner entweder mit Flügelhorn oder gedämpfter Trompete spielte und dem einen wie der anderen unaufdringliche, oft butterweiche Töne entlockte.
Mit den Eigenkompositionen »Martinique« und »Schweiz-Song« - locker-flockige, »sonnige«, typisch Hucks'sche Stücke - verbreiteten die Musiker Urlaubsatmosphäre. Die traurig-melancholische Herbststimmung (»Autumn Mood« von Martin Reuthner) vertrieben sie mit den Klassikern »Have You Met Miss Jones?« und »Autumn Leaves«, bei denen sie sich ganz ihrer Vorliebe für den Jazz hingaben, heftig swingten und starke Soli spielten. Gospeliges wie »Wade In The Water«, ein jazziger Blues (als Zugabe) und Gefühliges wie das berühmte »Speak Softly Love« gehörten ebenso zum ausgewogenen, abwechslungsreichen Programm(in dem Hucks und Reuthner vieles von ihrer gemeinsamen CD »Friendship« vorstellten) wie zwei Choralbearbeitungen: eine eher »klassisch« vorgetragene Version von »Ich steh an deiner Krippen hier« und ein spannendes, »gedehntes« Reuthner-Arrangement von »Wer nur den lieben Gott lässt walten«.
Neben der hohen künstlerischen Qualität war insbesondere auch die sehr schöne Atmosphäre des Konzertabends allen Applaus wert.
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28.02.2008, Borbecker Nachrichten
Mit jodelnder Trompete
Jazz-Duo eröffnete Quintinus-Konzertreihe 2008
Herzklopfen hatte das Duo Werner Hucks und Martin Reuthner bei seinem Konzert zur Eröffnung des diesjährigen Konzertprogramms der Quintinusstiftung sicher nicht. Dennoch berichteten sie von einem solchen Vorfall in der "Mittagspause". In einem so benannten Liebeslied hatte der Gitarrist Hucks als Jugendlicher seine romantischen Gefühle zwischen verzückter Freude und versonnenem Gedankentreiben eingebunden. Bei diese eher persönliche Mitteilungen wollte er es nicht belassen und wechselte mit seinem Kollege Martin Reuthner in die Karibik, genauer gesagt auf die Insel Martinique, die auch dem Lied den Titel gegeben hatte, das spritzig, aber nicht grell war, Überraschungen bot und locker blieb, weil es nicht Eventstrapazen hinterherlief. Der Beifall des Publikums war den beiden Jazzern sicher.
Das lag nicht nur an ihrem Können. Reuthner ist Mitglied der WDR-Big-Band und Hucks hat Erfahrunge aus "allen Musicalhäusern" aufzuweisen. Die applaudierende Aufnahme war ein Echo auf den zurückhaltenden, nicht exstatischen Stil. Beide inszenierten nicht sich, sondern gaben der Musik Raum, sich zu entfalten. Das erkannte das Publikum, das erfuhren sie an dessen Reaktionen.
Bei Jazzmusikern vermutet man nicht ein Bergecho und ebenso überrascht ein musikalischer Spaziergang über die Bergwiese noch mehr, wenn er dazu führt, dass die Trompete zum Jodeln abhebt. Beim Quintinuskonzert bewies das Duo Hucks und Reuthner mit seinem "Schweizsong", dass es möglich ist, harmonisch und nicht aufgesetzt wirkend möglich ist und obendrein keiner sonst in solchem Genre gern eingebauter Parodie bedarf, um das Publikum anzusprechen. Auch die "Freundschaft" kam nicht aufgeplustert daher, sondern gefühlsvoll suchte sie Anlehnung mit ihren gleichsam rufenden kurzatmigen Wiederholungen.
Die Jazzstücke, zum Teil Eigenkompositionen, waren behutsam aufgebaut. Aber auch die Choräle in dieser Gestaltungsweise fanden die Anerkennung des älteren Publikums in der Klosterkapelle der Franzisnusschwester in Bedingrade. Mit Spannung waren die Bachwerke erwartet worden. Hierbei wahrte das Duo in seiner Improvisationsneufassung die Eigentümlichkeit und den Charakter der Ursprungsfassung und konnte eben dadurch an dessen Eindringlichkeit teilhaben, so dass die Gottzugewandtheit ausströmen konne. Ein großer Applaus nahm dies auf.
In einem Schnelldurchlauf von Stimmungen führte Hucks und Reuthner das Konzert seinem Ende entgegen. Schleifende Klänge brachte die verzagte Erfahrung mit einem regenreichen Herbst zum Ausdruck und Vaterglück ließ einen wiegend-glücklichen Ton geboten sein. Bevor beide dann mit "sail away" in der Zugabe aufbrachen, hatten sie noch in herbem Klang eine gespenstische Grundmelodie gestaltet.
Das Konzert dagegen wollte ein Beitrag dafür sein, bedürftigen Menschen eine freundliche Welt zu öffnen, in dem es der Quintinusstiftung weitere benötigte Spender und Sponsoren zuführt.
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30.01.2008, Frankenpost
Auf Rhythmen spazieren gehen
Gitarrenkonzert | Werner Hucks bringt ernsthafte Musik mit lockeren Sprüchen
Jazz, Bach und Musical - allesamt Zutaten für ein Konzert von Werner Hucks
Wunsiedel - Der Mann mit den vier Gitarren ist gut drauf am Samstagabend im evangelischen Gemeindehaus; hat er doch die Wasserscheide im Fichtelgebirge überquert und dann einen Käsekuchen im Silberhaus gegessen: "Sehr empfehlenswert", fügt er hinzu, und in diesem locker-witzigen Stil moderiert Werner Hucks den pausenlosen Abend, der gleichwohl auch viel ernsthafte Musik bringt.
Von seinen diversen Facetten zeigt er erst mal die des Komponisten: Als Musicalnummer gesungen könnte man sich die Hauptstimme seines "Family Songs" vorstellen - vielleicht der Einfluss seiner Beteiligung an "Les Misérables" und "Elisabeth"; mit sanfter Endlos-Melodie meditiert er über den Platz, von dem aus man sein Leben gestalten kann - "Coming home".
Inspiriert haben ihn auch seine Reisen in südliche Gefilde, doch "brasilianische Fantasie" oder "Sonnenaufgang auf einem Katamaran" bei Martinique sind keine oberflächlichen Tonmalereien, sondern private Bilder seiner Stimmungen - man darf auf schwebend kreisenden Akkordbrechungen oder aber energischen Rhythmen die eigenen Vorstellungen spazieren gehen lassen.
Seinen Lebensunterhalt, erzählt er, verdient er "nur" mit der Gitarre; er singt nicht, das muss er den erstaunten Fragern immer wieder bekennen. Doch ganz stimmt es nicht: Ab und zu lässt er sich mitreißen zum Mitsummen, besonders am Ende, wenn er beim Jazz landet. Immerhin kann er - nur mit Gitarre - unterrichten, und er fragt die anwesenden Musik-Pädagogen im Publikum: "Kennen Sie das auch - immer die gleichen Fehler an der gleichen Stelle?" Also hat er aus Fehlern ein "Schüler-Medley" komponiert. "Yesterday" einen halben Ton zu hoch auf dem Spitzenton "so" ist ein Lacher für sich, aber Hucks macht mehr daraus: Er zähmt die Beatles und die "Elise", die nicht in die Gänge kommt, mit dem "Pink Panther", als ob alles zusammen komponiert worden wäre.
"Ein Konzert ohne Bach geht nicht", gibt er zu und spielt seine Adaptionen der e-Moll-Partita für Violine ("viel leichter für die Gitarre") und des C-Dur-Präludiums aus dem Wohltemperierten Klavier - gelenkig und in feingestufter Dynamik. Auch zur "Tango-Schwemme" trägt er bei, indem er das "Feeling" der muffligen Bewohner seiner Heimatstadt Siegen schildert - "Tango triste". Und nach einer Hommage an Bachs Vertonungen von Texten von Paul Gerhardt, einer zarten und innigen Version von "Ich steh an deiner Krippen hier", darf er endlich improvisieren, Akkorde und Melodiegänge in kreative Rhythmen zwingen: Jazz hat er studiert.
Bärbel Lüneberg
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Siegener Zeitung, 17.09.2007
Zwischen Tango und Jazz
Gitarrist Werner Hucks spielte in der ev. Kirche Eichen
Die Veranstaltungsreihe zum Jubiläumsjahr der ev. Kirche Eichen neigt sich langsam dem Ende. Bevor die Blechbläser von pro musica sacra die letzte Fanfare zum 50. Geburtstag blasen, spielte am Freitagabend Gitarrist Werner Hucks ein tolles Solokonzert. Bedauerlich, dass dieses Mal nur ein Bruchteil des Riesenpublikums der letzten Konzerte den Weg in die neu gestaltete Kirche gefunden hatte, denn der qualitativ hochwertige Auftritt des sympathischen Musikers stand den Leistungen der vorangegangenen Gospel- und Barock-Vertreter in keiner Weise nach.
Werner Hucks (45) erwies sich als facettenreicher Instrumentalist, der die gespannten Zuhörer in ferne Länder und in die Vergangenheit entführte. Der Musikpädagoge eröffnete den Abend mit einigen Eigenkompositionen, zu deren Inspiration er teils witzige, teils dramatische persönliche Anekdoten preisgab. Dabei wanderten die Finger ebenso präzise wir ruhig auf den Saiten und zupften schöne Melodien, die sich schnell in den Ohren festsetzten. Die oft mitschwingende Melancholie passte zudem prächtig in die Atmosphäre des sich gerade ankündigenden Herbstes.
Als besondere Überraschung hatte Hucks seine alte Gretsch-Jazzgitarre mitgebracht, für die er als 17-jähriger sein Erspartes zusammengekratzt hatte. Offenbarte der zerschlissene Koffer, längst mehr als nur Siegerländer Boden unter sich gehabt zu haben, so sah das herrlich anzusehende Instrument aus, als wäre es erst gestern im Laden erstanden worden. Auf dem edlen Stück schlug Hucks verträumte Akkorde und schwelgte mit einem Stück der tragischen Sängerin Billie Holiday in den goldenen 30ern.
Aus Brasilien hatte der leidenschaftliche Kulturtourist ein temperamentvolles Volkslied mitgebracht, dessen virtuose Inszenierung für vile Beifall sorgte. Nach einem südamerikanischen Tango und dem nostalgischen Filmsong "Moon River" kamen zum Finale auch die Klassikfreunde auf ihre Kosten, indem Hucks noch einige Werke von Bach zum Besten gab, ein Repertoire, das sich ungleich großzügiger in seinen übrigen Konzerten niederschlägt.
Jo
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Westfälische Rundschau, 17.09.2007
Gitarrist Werner Hucks begeisterte seine Zuhörer beim Konzert in der Eichener Kirche
Virtuoses Geburtstagsgeschenk zum 50-jährigen Bestehen
Sehr persönlich gestaltete der Siegener Gitarrist Werner Hucks sein klingendes Geburtstagsgeschenk in der Evangelischen Kirche anlässlich ihres 50jährigen Jubiläums.
Immerhin ist der Künstler schon seit Jahren hier ein gern gesehener Gast, und dieses Mal hatte er vile eigene Kompositionen im Gepäck. Vor jedem seiner Stücke erzählte er dessen Entstehungsgeschichte, welche eindrücke ihn zu der Komposition beflügelten.
"Bei ´Coming Home´ ist mir die Melodie nur so aus den Fingern gerutscht" erinnerte er sich. Musikalische Reiseeindrücke hatte Hucks aus der Karibik mitgebracht, erzählte lautmalerisch mit seiner Gitarre von den Lichtspielen auf dem grün-blau schimmernden Meer, von sich wiegenden Booten und auch von Tropenstürmen: die anfängliche Leichtigkeit des hellen Gitarrenklanges täuschte, denn schon bald kam der Sturm näher, ausdruckvoll geschildert von kräftigen, fast schon geschlagenen, bedrohlich wirkenden Akkorden; und dann zog das Unwetter ab, die leisen, letzten Instrumententöne verebbten.
Nach glockenhellen, klaren Klängen einer Oktavgitarrebegeisterte er mit dem warmen, vollen Sound seiner Gretsch-Jazzgitarre und der Interpretation etlicher wohlbekannter Songs wie "All the things you are", "Autumn leaves", dem nachdenklich stimmenden "God bless the child" oder der Fingerakrobatik bei "I'm glad there is you". Schade nur, dass der Verstärker einzelne Misstöne hineinmogelte. Zum Träumen schön auch "Moon river", feurig eine Samba und melancholisch der "Tango triste", von Hucks an einem Siegerländer Regentag komponiert. Ein Stück Himmel wurde spürbar in der hellen Kirche beim "Präludium in C" aus dem Wohltemperierten Klavier Nr.1 von Johann Sebastian Bach. Und Musik vom Feinsten war Hucks Bearbeitung von Bachs "Ich steh an deiner Krippe hier". Kaum zu glauben, dass eine Gitarre so variationsfähig ist.
jul
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Westfälische Rundschau Siegen, 20.10.2004
Mit "Aufwind" fing es an
"Ich will da wohnen, wo die Musik spielt." Der talentierte Teenager vom Niederrhein wusste 1979 ganz genau, was er wollte, als er im Sekretariat des Evangelischen Gymnasiums Weidenau (EV) aufkreuzte. "Ich heiße Werner Hucks und möchte den Direktor sprechen."
Entweder, er würde mit Klasse elf die Schule abbrechen, teilte der junge Mann Oberstudiendirektor Herbert Ochel mit, oder er könne am Siegener EV sein Abitur machen. Nachdem Ochel mit der überraschten Mutter Hucks in Rheinhausen telefoniert hatte, lief alles glatt: Hucks bezog zusammen mit dem musikalisch ebenfalls sehr interessierten Hartmut Nitsch ein Zimmer, und dann wurde der Leistungskurs Musik belegt.
Hucks: "Mensch - war ich aufgeregt"
Es sollten die besten Jahre des angehenden Gitarristen werden. "Was Ochel versprach, hielt das gesamte Kollegium", erinnert er sich. Während der zwei Jahre bis zum Abi spielte er in der Gruppe "Aufwind" mit, einem Projektchor mit außergewöhnlichen Sängerinnen, Sängern und Musikern. Es entstanden drei LPs, es gab unzählige Auftritte.
"Beim Evangeliumsrundfunk in Wetzlar hatte ich erstmals Kontakt mit christlicher Musik bekommen", berichtet Hucks. "Damals arbeitete Niels Kjellström als musikalischer Leiter beim ERF, Johannes und Hartmut Nitsch waren da ebenfalls beschäftigt. Erhard Diehl war Redakteur der "Jungen Welle" und auch Andreas Malessa lief da immer rum - der hatte eine riesige Plattensammlung mit christlicher Musik." Die erste LP überhaupt, bei der Hucks die Gitarrenparts übernahm, war "Zeitpunkte" von Manfred Siebald. Er erinnert sich: "Mensch, war ich aufgeregt." Johannes Nitsch hatte ihm damals einen Gitarrenlauf ("auf dem zehnten Bund mit Kapodaster") gezeigt - genau der gefiel dem Studiochef von Panne & Paulsen besonders.
Seine große Liebe gilt dem Jazz, aber auch der klassischen Gitarre. Als erster "Dipl. Musikpädagoge" Deutschlands studierte er in Köln Jazz beim Posaunisten Prof. Jiggs Whigham, spielte mit internationalen Spitzenleuten wie den Saxophonisten Charlie Mariano, Lee Konitz oder dem Trompeter Ack van Rooyen zusammen. "Leider funktioniert Jazz in der christlichen Szene noch nicht sehr", sagt Hucks. "Es gibt Leute, denen Musik immer noch unheimlich ist, wenn die Interpreten keine Lederhose an haben."
Als Gitarrist im Musical "Les Miserables" zog er für vier Jahre zurück ins elterliche Haus. Nach einem weiteren Musical-Engagement bekam er eine Stelle als Musikpädagoge an der Fritz-Busch-Musikschule. Seine Instrumentalstücke, auf inzwischen acht Solo-CDs veröffentlicht, gehören nach wie vor zu den meist gespielten im Programm des ERF in Wetzlar.
Manfred Keßler
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Westfälische Rundschau Siegen, 20.10.2004
Stasi machte sich grimmig Notizen
Mit dem Sänger Jan Vering gab Werner Hucks in den 80er Jahren hunderte von Konzerten im gesamten deutschsprachigen Raum.
Dazu gehörten auch etliche "Grußwortkonzerte" in der damaligen DDR: Es war in Ost-Kirchengemeinden damals üblich, musikalische Gäste aus der BRD einzuladen. Spirituals und Gospelmusik waren eine beliebte "Eintrittskarte". "Konzerte waren nicht gestattet, Westgäste durften da nur ein Grußwort sagen", erinnert sich der Gitarrist. "Aber das dauerte dann eben mal zwei Stunden lang. Unter den Augen und Mikrofonen der Stasileute wurde 'Joshua fit the Battle of Jericho' von den einen frenetisch beklatscht, während die anderen sich grimmig Notizen machten." Bei der Zeile "the walls came tumblin down" ("die Mauern stürzten ein") schlugen sich die begeisterten Zuhörer lachend auf die Schenkel.
Manfred Keßler
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Westfälische Rundschau Siegen, 17.12.2000
"Saitenweise" Geschichten und lyrische Konzentrate
"Leise Töne im Lyz" hieß das "Oase"-Programm. Zwei Gitarristen: Werner Hucks, ein Geschichtenerzähler - witzig, schweifend, locker. Der andere, Mario Mammone, ein Lyriker: ein Meister der konzentrierten Form, sparsam, intensiv, manchmal herb. Hucks startete mit Bach: Zuerst das Präludium aus der dritten Cellosuite, dann zwei Sätze aus der Partita h-moll für Solovioline. Für Geiger sei das halsbrecherisch, erläuterte Hucks, auf der Gitarre dagegen einfach, "wegen der genialen Erfindung der Bundstäbchen". Darum habe er während seiner Orchesterjahre oft vor Vorstellungen Parts daraus gespielt - "am liebsten im doppelten Tempo. Dann wurden die Streicherkollegen, die sich im Studium an den Sachen abgearbeitet hatten, sehr traurig. Ich finde, Streicher klingen melancholisch irgendwie besser." Hucks` Zugang zur Klassik ist unbekümmert: Dass bei einer Gitarre mit Tonabnehmer Endungen mitunter percussiv "knallen", dass das untere Register enorm in den Vordergrund tritt, stört ihn nicht. Für ihn ist Bach vor allem ein Melodiker, aus dessen Fundus er sich vergnügt bedient. Für eine Suite griff Hucks zu seinem 1826 gebauten Guiliani-Instrument. Auch dazu natürlich eine Geschichte: "Die war rot lackiert, mit Fußball-Aufklebern drauf, als sie irgendwo im Siegerland entdeckt wurde." Es folgten ein Werk des Brasilianers Heitor Villa Lobos, Jazz-Standards und Eigenkompositionen. Dann kam "Lirico", Mammones Trio: Zusammen mit dem phantastischen Kontrabassisten Jan Flubacher und dem Saxophonisten/Klarinettisten Johannes Lemke schuf der Ausnahmemusiker Atmosphären und Klangbilder von atemberaubender Dichte. Da gab es Passagen, die klar wie Kristall wirkten, andere pulsierten vor Wärme und Leidenschaft. Lemke - seit Jahren Mammones kongenialer Partner - fand zu wunderbar expressiven Farben. Er konnte tanzen auf seinen Klängen, konnte aber auch - dank Zirkulationsatmung - einen einzigen Ton minutenlang messerscharf durchklingen lassen. Dazu Flubachers und Mammones rhythmische Dialog-Geflechte, brodelnd und voller Glut - spannend. Das war große Musik. Klar, dass Hucks irgendwann dazustieß. Da wurde erneut klar, wie sehr sich diese beide so unterschiedlichen Gitarristen schätzen.
Jan Vering
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